Mittwoch, 31. Januar 2018

Leserfrage: Macht es Sinn, auf alten Putz Kalkputz aufzutragen?


Zum letzten Artikel, in dem es um die vier Dinge ging, die Kalkputz für Deine Räume tun kann, erreichte mich folgende Leserfrage:

"Gibt es eine Möglichkeit Räume von Standardputz/Dispersionsfarbe auf Kalkputz/Mineralfarbe umzustellen, ohne den Putz komplett abzuschlagen? Sprich: Macht es Sinn, auf alten Putz Kallkputz aufzutragen?"

Grundsätzlich: Ja.

Dazu ist vorab eine Begriffsklärung notwendig: Ich habe im letzten Artikel über Kalkfinishputz gesprochen, also Kalkputz, der als dekorative Oberfläche eingesetzt wird. Die Putzschicht, die das Fugenbild des Mauerwerks verdeckt und egalisiert, nennt man Grundputz. 



Wichtig fürs Raumklima sind die obersten 4 mm der Wand. Deswegen ist es nahezu egal, welcher Grundputz im Haus ist und was die Untergrundvorbehandlung letztendlich erfordert. Indem Du Kalkputz als oberste Schicht auf Deine Wände bringst, hast Du eine Schicht von 2 mm, die Dir das Raumklima perfekt regulieren können.

Beim Altputz ist folgendes wichtig: Er sollte frei sein von wasserlöslichen Farbstoffen wie Nikotin, Gerbstoffen und Ruß. Außerdem sollten keine Kleisterreste auf dem Putz sein. Kleisterreste können abgewaschen werden, also ist diese Bedingung leicht zu erfüllen.



Stellt sich im zweiten Schritt die Frage, wie Du wasserlösliche Farbstoffe im Untergrund erkennst. 

Beantworte zuerst folgende Fragen:
  • Sind Holzbestandteile auf der Wand wie Gipskartonplatten, OSB-Platten, hölzerne Rolladenkästen oder Tapete? Tapete kannst Du entfernen, alle anderen Bestandteile hast Du.
  • Ist in den Räumen geraucht worden? Ich meine: wurde von ehemaligen oder aktuellen Bewohnern dort regelmäßig geraucht? Und ja, „die Küche ist das Raucherzimmer“ heißt, dass in der ganzen Wohnung Nikotin in den Wänden sitzt. Nikotin kennt leider keine Türen (alles schon erlebt…).
  • Gibt es irgendwo einen Kamin, der möglicherweise durchgesotten sein könnte?

Wenn Du Dir über die Vorgeschichte Deiner Räume nicht sicher bist, kannst Du 1-2 qm große Testflächen mit dem neuen Material anlegen.
Wasserlösliche Farbstoffe zeigen sich immer dann, wenn die Wandflächen mit Wasser in Kontakt kommen, also dann, wenn eine neue Putzschicht (manchmal reicht auch ein Anstrich) aufgetragen wird. Und: sie zeigen sich sehr schnell. Meist weißt Du nach einem halben Tag schon bescheid.

Solltest Du wasserlösliche Farbstoffe im Untergrund finden, ist es nötig, als erste Grundierungsschicht eine Farbe zu streichen, die den Wanduntergrund gegen eindringendes Wasser absperrt.

Als zweite Grundierungsschicht streichst Du dann eine mineralische Grundierung.

Nächster Punkt: Kalk möchte einen mineralischen Untergrund haben und verträgt sich auf chemischer Ebene nicht gut mit Gips. Das ist wichtig zu wissen. Kalkputz hält zwar auf Gips, bildet aber je nach Pigmentierung optisch unschöne Schlieren aus. Um das zu vermeiden, hilft folgendes:

Wenn ein Gipsputz auf der Wand ist, bedeutet das, eine mineralische Grundierung zu verwenden (z.B. Kalkfarbe oder Kalkstreichputz).



Im Idealfall hat die Grundierung 3 Wochen Zeit zu trocknen, da in dieser Zeit CO2 aus der Raumluft aufgenommen wird und sich die Grundierungsschicht chemisch umbaut. Nach den 3 Wochen ist es dann problemlos möglich, Kalkputz auf die grundierten Flächen aufzutragen.

Mir ist klar, dass drei Wochen zwischen Grundierung und Oberputz eine sehr lange Zeit ist und einige Baustellen diesen Zeitrahmen nicht hergeben. Empfehlung in diesem Fall: den längstmöglichen Zeitraum zwischen Grundieren und Verputzen verstreichen lassen.

Bei kalkhaltigen Anstrichen können auch die oben beschriebenen Schlieren auftreten. Sinngemäß gilt für den Zeitraum zwischen grundieren und Endanstrich das gleiche wie für Putz.

Ich weiß, dass dieser Artikel sehr technisch ist. Dennoch denke ich, dass diese Informationen für viele Leser interessant sein können, deswegen habe ich ihn geschrieben.


Solltest Du Dir bei Deinen Wänden komplett unsicher sein, sprich mich bitte an. Ich freue mich über Deine Nachricht in den Kommentaren oder auf der Facebook-Seite.

Samstag, 6. Januar 2018

4 Dinge, die Kalkputz für Deine Räume tun kann


Kalkputz ist ein sehr alter Baustoff, der auch in neuen Gebäuden eine Menge tun kann, um das Gebäude funktionsfähig zu erhalten. 

Feuchtigkeitsmanagement

Kalkputz ist ein großartiger Feuchtigkeitsmanager. Beim Wohnen entsteht allein dadurch, dass Du anwesend bist, Feuchtigkeit. 
Du atmest Wasserdampf aus, in Kleinstmengen, die aber trotzdem einen Einfluss auf das Raumklima haben. Gerade wenn Du Dich über einen langen Zeitraum in einem Raum aufhältst, wird Dein Ausatmen für diesen Raum zu einer Herausforderung. Wusstest Du, dass 2 Erwachsene in 8 Stunden (also einer durchschnittlichen Nacht) 2 Liter Wasserdampf ausatmen? Das entspricht dem Wasserdampfaufkommen, was bei 30 Minuten Dauerduschen entsteht. 
Verputze Deine Schlafzimmerwände mit Kalkputz, und sämtliche Feuchtigkeit wird vom Kalkputz aufgenommen. Wichtiger noch, die Feuchtigkeit wird über den Tag wieder an die Raumluft abgegeben, so dass die Wände in der nächsten Nacht erneut alles aufnehmen können. 
Du kennst vielleicht den Begriff der atmenden Wände, in der Fachsprache Sorption genannt. Genau diesen Effekt machst Du Dir in einem mit Kalkputz verputzten Schlaf-, Kinder- oder Badezimmer zu Nutze. 



Verschmutzungen an Wänden vermeiden

Kennst Du die grauen Ränder, die sich um Bilderrahmen bilden und die darüber berichten, wann umdekoriert wurde?  Besser gesagt, die genau darüber berichten, dass es mal wieder Zeit zum Renovieren ist? 
Verputze Deine Wände mit Kalkputz und Du bist dieses Problem los. Oberflächen aus Kalk sind antistatisch, was heißt, dass sie sich nicht statisch aufladen, wenn die Raumluft an ihnen entlang streicht. Raumluft gerät immer dann in Bewegung, wenn Du durch Deine Räume gehst. Du schiebst Luft vor Dir her. Statisch aufgeladene Flächen ziehen Staub an. Die Luftverwirbelung ist gerade an Kanten von Bilderrahmen recht hoch, weswegen sich dort vermehrt Staubpartikel an der Wand absetzen. 
In Kalkputz ist nichts enthalten, was sich statisch auflädt. Deswegen verlängern sich die Renovierungsintervalle, wenn Du Deine Wände mit Kalkputz verputzt. Du bestimmst, wann Du renovieren möchtest, nicht Deine abgehängten Bilder oder umgestellten Möbel. 

Schimmel vermeiden

Schimmel in Wohnräumen entsteht immer dann, wenn mehr Feuchtigkeit anfällt als wegtrocknen kann. 
Schimmel entsteht gerne dort, wo hohe Temperaturunterschiede zwischen Raumluft und Wandfläche sind, etwa über Fenstern oder an Außenwänden. Besonders beliebt sind Stellen in der Wohnung, an denen zwei Außenwände aufeinander treffen.
Kalkputz hilft bei dieser Problematik auf zweierlei Weise:
Zum einen betreibt der Putz ein sehr gutes Feuchtigkeitsmanagement - siehe Punkt 1. 
Zum anderen ist Kalk alkalisch. Auf alkalischen Untergründen finden Schimmelsporen keine Nahrung und sterben deswegen ab. Verputze Deine Wände mit Kalk und tu Deinem Haus und Deiner Gesundheit etwas Gutes. 
Verputze deine Wände mit Kalkputz und Du tust etwas zur Vorbeugung gegen Schimmel.



 Gut aussehen

Du kannst mit Kalkputz verschiedenartige Oberflächen erzeugen. Von ganz glatt bis ganz rauh ist alles möglich. Sind dem Kalkputz Effektsteinchen beigefügt, schaffst Du es sogar, eine neue Wand sehr alt aussehen zu lassen. 
Außerdem kannst Du den Putz in allen nur denkbaren Farbtönen färben und so perfekt an Deine bestehende Einrichtung anpassen. 
Bei der Gestaltungsplanung triffst Du die Farbauswahl für den Kalkputz ganz zum Schluss. Du findest immer den einen Farbton, der das verbindende Element für die Gestaltung ist. Wenn Du den passenden Farbton allein nicht findest, frag mich - ich helfe Dir gern dabei. 

… und was dieses Material deswegen in Summe für Dich tut

Wenn Du Deine Wände mit Kalk verputzt, schaffst Du Dir eine Wohnumgebung, die Deiner Gesundheit dient:
  • Du schaffst ein ausgeglichenes Raumklima ohne Feuchtigkeits- und Trockenheitsspitzen.
  • Du entziehst Schimmelsporen die Nahrungsgrundlage.
  • Du schaffst antistatische Oberflächen, was nicht nur Verschmutzungen an den Wänden verlangsamt, sondern auch die Verteilung von positiv und negativ geladenen Ionen in der Raumluft zu Deinem Vorteil verschiebt. Das Raumklima verbessert sich.
  • Du hast Farbtöne an den Wänden, die einfarbig erscheinen aber in sich vielfarbig sind, was Deinem gesamten Organismus gut tut.
  • Du erzeugst Binnenstrukturen auf den Wandoberflächen und ermöglichst Dir damit ein ermüdungsfreies Sehen, weil Deine Augen genügend optische Haltepunkte pro Minute finden.
  • Und das Beste ist: Deine Räume sehen nicht nach „gesund und öko“ aus sondern genau so, wie Du es möchtest.


Brauchst Du Hilfe bei der Auswahl Deiner Produktfavoriten? Melde Dich gern bei mir, entweder hier in den Kommentaren oder auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen.