Samstag, 30. April 2016

Rezension und Verlosung: Tapetenwechsel

Malbücher für Erwachsene sind im Trend, liest man derzeit häufig. Und: die Hersteller von Buntstiften haben Lieferschwierigkeiten. Ich gebe zu, ich habe dazu beigetragen.

DVA hat diesen Trend aufgegriffen und ein weiteres Malbuch herausgebracht. Tapetenwechsel von Natalia Price-Cabrera.



Das Buch enthält 20 Tapetenentwürfe vom 18. Jahrhundert bis heute, die ausgemalt werden können.

Im Vorwort gibt es einen Abriss darüber, wie Tapete im Lauf der Jahrhunderte genutzt wurde. 
Jedes der 20 Tapetendekore wird zeitlich eingeordnet und auch die gerade herrschende Stilepoche wird beschrieben. Dazu gibt es drei kleine Quadrate mit dem Tapetendekor, um verschiedene Farbkombinationen auszuprobieren, eine ganze Seite mit dem Tapetendekor und danach eine Doppelseite mit einer Collage aus Tapete und den zur Epoche passenden Möbeln, Lampen, weiterer Dekoration und Hund oder Katze. Am Ende des Buches gibt es die Original-Farbpalette zu jeder Tapete.

Wenn Du Spaß an Einrichtung hast oder einen Blick in Wohnzimmer(Collagen) vom 18. Jahrhundert bis heute werfen möchtest, ist das Buch spannend für Dich. Der Schwerpunkt des Buches liegt ganz klar auf Ausmalen, keine Frage. 

Ich persönlich finde das Konzept des Buches genial. Es ist ein Malbuch für Erwachsene mit Bonusmaterial in Form von Texten und einigen Fotos von Tapeten aus alter Zeit. Auch die Vorab-Versuchsflächen für unterschiedliche Farbzusammenstellungen finde ich super. Und ich habe eine Menge über Tapete gelernt. Wusstest Du zum Beispiel, dass zu Anfang Tapeten (knapp nachdem Druckmaschinen erfunden waren) auf die Rückseite verbotener Schriften gedruckt wurden? Ich wusste das nicht und hatte eine Menge Spaß als ich die Einleitung gelesen habe.

Da ich momentan zeitlich knapp dran bin und nicht zum Malen kommen werde, möchte ich das Buch verlosen.

Wenn Du das Buch gewinnen möchtest, hinterlass mir bis zum 6.5.16 einen Kommentar hier unter dem Post oder auf der Facebook-Seite. Bitte gib in den Blog-Kommentaren Deine E-Mail-Adresse an, damit ich Dich im Gewinnfall benachrichtigen kann.

Teilnehmen können alle erwachsenen Personen in Deutschland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wird davon nicht beeinflusst.

Mittwoch, 20. April 2016

Produktvorstellung: Lehmfarbe

Mich erreichten in letzter Zeit Fragen nach Biowandfarben und deswegen habe ich beschlossen, in loser Reihe unterschiedliche Typen von Wandfarbe vorzustellen.

Ich beginne mit Lehmwandfarbe

Warum gerade damit? 
Ich persönlich finde es immer wieder faszinierend, aus wie wenig Bestandteilen die Farbe gebaut ist und wie gut sie funktioniert. Das schöne an Biofarben ist, dass die Produkte in der Regel eine Volldeklaration haben. Das heißt, dass auf den Verpackungen die gesamte Zutatenliste abgedruckt ist.

Im Falle der Lehmwandfarbe sind es genau vier
helle Tonerde, Dolomit-Mehl, pflanzl. Polysaccharid, Methylcellulose

Helle Tonerde ist der Lehm. In fast-beinahe weiß. Dolomit ist ein Gestein. Das Dolomit-Mehl macht die Farbe gleichmäßig feinkörnig und sorgt dafür, dass sie mit einer etwas dickeren Schichtstärke aufgetragen werden kann. Pflanzliches Polysaccharid (Mehrfachzucker) und Methylcellulose (Tapetenkleister) sind die Bindemittel in der Farbe, also diejenigen Stoffe, die den Anstrich an der Wand halten. 

Vor der Verarbeitung fügst Du eine fünfte Zutat hinzu, nämlich Wasser. Bis dahin ist die Lehmfarbe pulverförmig, was mehrere Vorteile hat: trockenes Pulver kommt ohne Konservierungsstoffe aus und hält sich seeeehr lange. Außerdem reduziert sich das Gewicht für den Transport der Farbe und dadurch fallen weniger Versandkosten an.



Wenn Du magst, kannst Du die Lehmfarbe in über 200 Farbabstufungen färben, gerade so, wie es Dir gefällt und zu Deiner Einrichtung passt.

Die Verarbeitung der Farbe ist dann etwas anders als bei einer herkömmlichen Farbe, denn Du streichst mit einem dicken Pinsel und nicht mit einer Rolle.

Warum?

Die hinzugefügten Farbpigmente sind feiner als die Partikel von Tonerde und Dolomit-Mehl. Wenn Du versuchst, das Gemisch mit der Rolle an die Wand zu bringen, rutschen die feinen Farbpigmente seitlich unter der Rolle hervor und Du malst Streifen auf die Wand. Diese Streifenbildung passiert leider völlig unkontrollierbar und ist deswegen noch nichtmal als gestalterisches Mittel einzusetzen.

Ich schätze die Arbeit mit dem großen Pinsel sehr, da er sich nicht mit Farbe vollsaugt und schwer wird. Je nach dem welche Rolle Du verwendest, passiert das sehr schnell und Anstreichen wird zum Kraftakt.

In diesem Video kannst Du Dir die Verarbeitung der Lehmfarbe anschauen:




Solltest Du am Abend noch Farbe im Eimer haben, lagere diesen Rest im offenen Eimer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Farbe so länger hält als im verdeckelten Eimer. 

Eine der wiederkehrenden Fragen in der Kundenberatung ist die, was denn getan werden muss, wenn die Wand renoviert werden soll.
Es besteht die Möglichkeit, die mit Lehmfarbe gestrichenen Flächen wieder mit Lehmfarbe zu überstreichen. Meist reicht ein Anstrich. Wenn Du ein anderes Material verwenden möchtest, dann streich die Wände vorab mit Tiefgrund. Tiefgrund versprödet die Lehmfarbe und bereitet die Wand für neue, andere Anstriche vor.

Eine weitere wiederkehrende Frage ist, wie lang die Renovierungsintervalle sind. Da sich mit Lehmfarbe gestrichene Wandflächen nicht statisch aufladen, wenn die Raumluft daran entlang streicht, sammelt sich kein Staub auf der Wand. Die typischen dunklen Ränder um Bilderrahmen entstehen nicht. Deswegen bleiben so gestaltete Flächen sehr lange schön - bis zu zehn Jahre. In der Regel renovieren meine Kunden, weil sie ihre Zimmer farblich verändern wollen und nicht, weil die Wandflächen vergraut sind.

Wenn Du weitere Fragen dazu hast, schreib sie gern in die Kommentare oder stell sie auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen und antworte Dir auf jeden Fall.




Montag, 11. April 2016

Le Corbusier und die Ordnung

Raum, Licht und Ordnung –
  das sind Dinge, 
  die wir Menschen ebenso brauchen 
  wie Brot und einen Platz zum Schlafen.  Le Corbusier

Dieser Satz begleitet mich seit 2009 und ich finde daran immer wieder neue Betrachtungswinkel
 
Im März habe ich dann Postkarten drucken lassen mit einem Foto einer Wandgestaltung und diesem Zitat und mich gefragt, ob das Wort "Ordnung" darin für die Empfänger der Karte ein rotes Tuch sein könnte. Diese Frage habe ich auch einem Kollegen gestellt und er antwortete mir sinngemäß, dass bei einer Renovierung häufig unterschwellig der Wunsch nach einer neuen Ordnung mitschwingt.

Die Reaktion auf die Karte reicht von "ja genau, wie schön" (bitte mit geseufztem Unterton denken) bis hin zu "die Karte muss ich meinem (Kind, Mann, Wohnungsgenossen) mitbringen, vielleicht glaubt er/ sie mir dann".
 
Ich war ehrlich gesagt sehr verwundert über die Bandbreite der Reaktionen und fragte mich, was Ordnung eigentlich ist. 

Der Blick ins Wortbedeutungs-Wörterbuch lieferte die Antwort, dass im allgemeinen Sprachgebrauch "Ordnung" soviel wie "aufgeräumter, organisierter Zustand" bedeutet. Das deckt sich mit dem, was der Kollege vermutete und der Reaktion "muss ich ... mitbringen". Ich bezweifle aber, dass Le Corbusier diesen Aspekt meinte. 

Viel interessanter ist die Wortherkunft, auch darüber wusste das Wortbedeutungs-Wörterbuch bescheid.
"mittelhochdeutsch ordenunge "Reihe(nfolge), Anordnung, Regel, Vorschrift, Einrichtung, Lebensweise", althochdeutsch ordinunga "Reihe, Einrichtung", belegt seit der Zeit um 1000"

Es geht also zusammengefasst um Struktur, und auch Raum und Licht liefern genau das. 

Und was hat das alles mit Wohnen zu tun?

Indem Du Räumen ihre Funktion zuweist (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer), strukturierst Du Deine Wohnung. Küche und Badezimmer mit sämtlichen Anschlüssen sind bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt sehr wahrscheinlich von Dir fremden Menschen definiert worden. Sie liefern eine weitere Struktur, die zudem nur schwierig verändert werden kann.

Licht lässt Farbe sichtbar werden und hat deswegen eine doppelte strukturgebende Funktion. Du kannst unterschiedliche Bereiche der Wohnung verschiedenfarbig gestalten und/ oder verschieden hell ausleuchten. 

Nebenbemerkung: Das Auge ist etwas faul und zieht gleiche Farbtöne zusammen. Deswegen sind z.B. Tapetentüren optisch "weg". Willst Du also einen Durchgang deutlich hervorheben, gestalte ihn farblich anders als die direkte Umgebung. Willst Du etwas verschwinden lassen, gleiche es der Umgebungsfarbe an. Auch das gibt Struktur.

Und jetzt die Ordnung im herkömmlichen Wortsinn: auch mit Ordnung schaffst Du höchst individuell Struktur. 

Höchst individuell deswegen, weil es unterschiedliche Ordnungstypen gibt. 
 
Es gibt zum einen Grobsortierer, die glücklich sind und alles wiederfinden, wenn sie ihre großen Stapel haben. Meist sind sie mit einem guten fotografischen Gedächtnis gesegnet. 
 
Am anderen Ende der Skala gibt es Feinsortierer, die es lieben, ihre Habseligkeiten in unzähligen Feinsortierungssystemen zu lagern.
 
Dazwischen gibt es alle möglichen Mischformen. 

Ich komme zurück zu der eingangs zitierten Reaktion auf meine Postkarte und den Wunsch, diese jemandem mitzubringen, damit er/ sie endlich verstehen möge: 

Ich wage die tollkühne Behauptung, dass in solchen Fällen unterschiedliche Ordnungstypen zusammenwohnen, ohne von diesen Unterschieden zu wissen. 

Beobachte Dich und Deine Wohnungsmitbewohner in den nächsten Tagen und finde heraus, wer seine persönlichen Dinge wie sortiert. Du wirst eine Menge über Dich und Deine Lieben lernen und sie ein Stück weit besser verstehen.

Ganz zum Schluss: Was hat das Ganze dann noch mit Gestaltung zu tun? 

Eine Menge. Wenn Du nämlich weißt, wer wie sortiert, wirst Du (überspitzt gesprochen) einem Grobsortierer nie wieder einen Schrank mit gefühlt 109 Schubladen als Möbelstück fürs Büro vorschlagen und Dich wundern, dass er es nicht benutzt.
Anders herum verstehst Du dann, warum ein Feinsortierer zu seinen 1000 Schächtelchen noch 637 neue benötigt. 

Berichte mir doch von Deinen Erfahrungen und Beobachtungen. Entweder hier in den Kommentaren oder auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen.

Montag, 4. April 2016

Rezension: Bauhaus

Vielleicht ist bei der Buchvorstellung "Retro Chic" ansatzweise durchgekommen, dass ich ein großer Bauhaus-Liebhaber bin - und ich meine damit nicht den so benannten Baumarkt.




Bei Prestel ist vor einigen Wochen ein Buch erschienen mit dem Titel Bauhaus von Boris Friedewald, und ich hatte dankenswerter Weise die Gelegenheit, es zu lesen.

Auf dem Buchrücken steht die Zeile "Dem Mythos Bauhaus auf der Spur" und die Ankündigung, Leben, Menschen und Orte des Bauhauses durch Fotos und Texte lebendig werden zu lassen.

Das Buch ist in sechs Kapitel geteilt, die jeweils mit einer Doppelseite "Spotlights" beginnen, also Zitaten von Menschen, die direkt mit dem Bauhaus zu tun hatten oder aber kurze Informationsschnipsel passend zur jeweiligen Kapitelüberschrift. 

In den einzelnen Kapiteln wird das Wesen der Bauhaus-Bewegung, -Schule oder auch -Architektur aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt. 

Im letzten Kapitel finden sich Antworten auf die Frage, wie Bauhaus heute noch vorhanden ist oder gelebt wird.

Wenn Du einen tieferen Einstieg in das Thema "Bauhaus" unternehmen möchtest, dann greif zu diesem Buch.

Ich komme zu meinem persönlichen Fazit. 

Vielleicht ist Dir beim Lesen bis hierhin aufgefallen, dass die Buchvorstellung recht dürr ausgefallen ist. 

Ich stand beim Schreiben ein wenig vor dem Dilemma, entweder knapp zu beschreiben oder ausführlich auf den Inhalt einzugehen. 

Da ich alles an diesem Buch hoch interessant fand, wäre eine detaillierte Inhaltsbeschreibung ausufernd geworden.

Ich hatte eine etwas andere Erwartung an das Buch: Bildband und Bauhaus-Möbel-Entwürfe in Raumsituationen. 

Letztenendes wurde meine Erwartung nicht erfüllt sondern weit übertroffen. Ich hatte bis jetzt überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Bauhaus viel mehr war als Architektur, Möbeldesign und Farbe. War es aber und dazu seiner Zeit weit voraus. Gerade das ist für mich das Faszinierende an "Bauhaus".

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.