Montag, 28. März 2016

Langweilig oder beständig?


Wenn es um die Wahl der Wohnfarben geht, greifen Menschen häufig auf die gleichen Farbtöne zurück, die sie bereits schon verwendet hatten. Ich beobachte diese Tatsache, bewerte sie aber nicht.
 
Ganz anders sieht es bei meinen Kunden aus. Der Entschluss, einen Raum zu renovieren setzt häufig die Erwartung frei, etwas völlig zu verändern. Dabei heißt renovieren eigentlich nur „etwas erneuern“ und nicht „etwas verändern“.
 
Letztens stand ein Ehepaar bei mir im Laden. Es ging um die Farbwahl für das Schlafzimmer, das einen Kalkputz bekommen soll. Die Kunden waren gut vorbereitet und hatten ein Stück der gerade an den Wänden vorhandenen Tapete dabei. Ihnen gefällt der Farbton gut und sie waren auf der Suche nach einem ähnlichen Farbton für den Kalkputz.
 
Nachdem sie ihre Wahl getroffen hatten und damit sehr glücklich waren, sagte dann die Kundin zu mir: „Wir nehmen irgendwie immer diese Farbtöne. Ganz schön langweilig, wie?"
 
Mit dieser Aussage hat sie mich zum heutigen Artikel inspiriert. Wie ich bereits schrieb, schwang auch bei dieser Kundin die Erwartung der Veränderung nach der Renovierung mit. 
 
Ich stellte mir daraufhin die Frage, ob immer die gleiche Farbwahl wirklich ein Zeichen von Langeweile ist oder ob es auch eine andere Sichtweise dazu geben könnte.
 
Und: was heißt eigentlich Langeweile?
 
Wortwörtlich heißt es erstmal „eine lange Weile“ und das ist meiner Ansicht nach wertfrei. (Nebenbemerkung: Das arme Wort Langeweile kann überhaupt nichts dafür, dass es unserem allgemeinen Verständnis nach negativ besetzt ist…)
 
Denke ich in die Richtung „eine lange Weile“ weiter, kommen gleich positivere Begriffe wie „Beständigkeit" und auch "Klarheit über den Wohnstil" in meinen Sinn. 
 
Und das ist gut! Es bewahrt Dich nämlich vor etlichen Neuanschaffungen. Wenn Du Dir über Deine Wohnfarben und über Deinen Wohnstil klar bist, wirst Du nach dem Streichen der Wände nicht mehr feststellen, dass (überspitzt gesprochen) das Sofa nicht mehr dazu passt.
 
Nur: Wie gewinnst Du diese Klarheit? 
 
Vieles bei Deiner Farb- und Stilwahl entwickelt sich intuitiv im Laufe der Jahre. 
 
Das allerletzte bisschen Klarheit bekommst Du durch einen Farbtest, der Deine Farbvorlieben sichtbar macht und gleich auch farblich passende Ergänzungen aufzeigt.
 
Anders als bei Kindern und Jugendlichen sind die bevorzugten Wohnfarben im Erwachsenenalter relativ konstant. Das liegt daran, dass Farbe identitätsbildend ist, für Menschen ebenso wie für Landschaften. Wie ich im Artikel über Jugendzimmer geschrieben habe, sind große Veränderungen in der Farbpalette in Kindheit und Jugend völlig normal und nötig.
 
Später ergeben sich Veränderungen in der Wohnfarbpalette eher durch das Zusammenziehen mit dem Partner, da ja auch diese/r Lieblingsfarben hat. 
 
Bei der Gestaltung der ersten gemeinsamen Wohnung solltet Ihr (und das schreibe ich mit voller Absicht, denn ich meine beide Partner) so lange gut über die Farbgebung nachdenken, bis Ihr beide Euch in der Gestaltung wiederfindet.
 
Diese Identifikation mit der Farbgebung ist wichtig. Fehlt sie, entsteht unterschwellig Unruhe und Unbehagen und das Wohnen in der eigenen Wohnung fühlt sich wie wandern in unpassenden Schuhen an.
 
Letztenendes macht Dich Klarheit über Deine Wohnfarben und Deinen Wohnstil unabhängig von Wohntrends. Du wirst Dich von Wohntrends vielleicht inspirieren lassen. Du wirst aber nicht mehr das Gefühl haben, einen neuen Trend unbedingt mitmachen zu müssen, weil Du sonst nicht in bist. Viel wichtiger ist, dass Du stilsicher bist.
 
Wenn Du noch unsicher sein solltest, ob das, was Du bei der kommenden Renovierung umsetzen möchtest, auch wirklich zu Dir passt, dann buch eine Wohnberatung bei mir. Gemeinsam werden wir alle Unsicherheiten betrachten und am Ende wirst Du Dir und Deinem Stil sicher sein. Versprochen.

Montag, 21. März 2016

Rezension: Retro Chic

Im Untertitel des Ökoraum-Blog steht "Mensch Raum Design". Dabei ist mir die Reihenfolge der drei Begriffe sehr wichtig, denn alle meine Bestrebungen drehen sich darum, für meine Kunden ansprechend und passgenau gestaltete Räume zu erschaffen. 



Um so mehr freue ich mich darüber, dass bei DVA ein Buch erschienen ist, das ebenfalls alle drei Schlagworte bedient : Retro Chic von Caroline Clifton-Mogg. Untertitel: "Ein Streifzug durch das Design des 20. Jahrhunderts".

Auf dem Buchrücken stehen Stichworte wie "Harmonischer Mix", "Originelle Neuinterpretation", "Inspiration" und "neue Lösungen". 
Die Frage nach der Integration eines Designklassikers in heutige Interiors zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch.
Das Buch ist in mehrere große Abschnitte gegliedert. Am Anfang steht die Begriffsklärung und zeitliche Eingrenzung von "Retro"; in etwa von 1920 bis 1970. 
Der erste große Teil ist überschrieben mit "Einrichten im Retro-Stil" und beinhaltet etliche lange Fotostrecken mit Wohnbeispielen, die aus den Zeitschriften des Kooperationspartners "Côté Maison" stammen. 
Im zweiten großen Teil geht es um "Liebe zum Detail", also um Möbelstücke und deren Funktion und Funktionswandel im Laufe der Zeit.
"Raum für Raum" heißt der dritte große Teil. Auch dort geht es um das zweite Thema des Buches, nämlich Funktion und Funktionswandel.
Das komplette Buch ist mit großformatigen Bildern gefüllt und vielen sehr informativen Texten zum Thema "Wohnen im Wandel der Zeit".
An dieser Stelle der Rezension steht jedes Mal eine Empfehlung, für wen das Buch interessant sein kann. Heute auch... 
  • Wenn Du auf der Suche nach einem bebilderten Nachschlagewerk über Designklassiker des 20. Jahrhunderts bist, dann ist dieses Buch etwas für Dich. In den allermeisten Fällen steht neben dem Foto, welcher Designer das abgebildete Möbelstück für welches Label entworfen hat.
  • Wenn Du Spaß an der Geschichte des Wohnens hast, dann ist dieses Buch etwas für Dich. Das Thema schwingt im ganzen Buch mit.
  • Wenn Du Dir gern außergewöhnlich eingerichtete Wohnungen und Häuser anschaust, wirst Du an dem Buch Deine helle Freude haben.
  • Wenn Du etwas über die Bauhaus-Gestalter wissen möchtest, greif zu diesem Buch.
Wahrscheinlich hast Du durch die Aufzählung ansatzweise mitbekommen, dass ich von "Retro Chic" mehr als begeistert bin. Mir gefällt die enorme Vielschichtigkeit des Buches, die Bildsprache und die vielen tollen Möbelentwürfe, die aus einer Zeit stammen, die ich selbst gar nicht erlebt habe. 
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Sonntag, 13. März 2016

Jugendzimmer - wer entscheidet welche Gestaltungsdetails?

Irgendwann wird aus dem Kind ein Teen oder Jugendlicher und es steht (wieder mal) die Umgestaltung des zum Nachkommen gehörenden Zimmers an. 

Wahrscheinlich enden viele Planungsgespräche in "du verstehst mich nicht" oder "das will ich nicht" oder "das geht so nicht" - und diese Sätze können sowohl von Eltern- als auch von Nachkommenseite kommen.
 
Ich erlebe es in Kundengesprächen immer wieder, dass die einzelnen Gestaltungselemente jeweils von unterschiedlichen Parteien und aus unterschiedlicher Perspektive bestimmt werden können. Werden diese verschiedenen Sichtweisen vermischt, entstehen Missverständnisse und die eingangs genannten Sätze fallen. 
 
 Stellt sich die Frage, wie Du das Dilemma lösen kannst.
 
Du als Elternteil finanzierst die Renovierung, deswegen fällt die Festlegung des Budgets ganz klar in Deine Zuständigkeit.
 
Außerdem bist Du Wohnungsmieter oder Hauseigentümer und deswegen kannst Du Materialien vorgeben, aus denen Dein Nachkomme etwas aussuchen kann. 
 
Indem Du Dich für eine bestimmte Art des Bodenbelags entscheidest, gibst Du auch einen farblichen Rahmen vor, denn Kork oder Holz (beispielsweise) haben eine natürlich begrenzte Farbvielfalt. 
 
Bei Fliesen oder Teppichböden ist die Farbauswahl wesentlich größer. Allerdings ist es auch dort sinnvoll, eine Vorauswahl zu treffen, denn die Nutzungsdauer von Bodenbelägen ist tendenziell länger als die von Wandfarbe und ein Jugendzimmer wird irgendwann vielleicht umgenutzt.
 
Wenn Möbel ersetzt werden sollen, kannst Du auch dort Vorgaben machen, die das Budget und die Materialqualität der neuen Einrichtung festlegen. Möbel sollten Anschaffungen sein, die über einen langen Zeitraum genutzt werden können. Unterstütze Dein Kind an diesem Punkt, denn es kann die Nutzungsdauer aller Wahrscheinlichkeit nach nicht abschätzen.
 
Zusammenfassend möchte ich Deine Entscheidungen als richtungsweisend bezeichnen. 
 
Ich komme zu den Entscheidungen, die unbedingt Dein Teenie-Kind treffen sollte.
 
Farbton der Wände. Ja, unbedingt, auch wenn es Dich schüttelt, wenn Du die Wahl siehst. Sei Dir sicher, dass Dein Kind genau das auswählt, was es an Farbe (konkreter: Farbimpuls) gerade braucht. Jeder Mensch benötigt seine individuelle Dosis Farbe. Das kann im Ganzen kräftiger sein, als Du es liebst oder auch wesentlich schwächer. An diesem Punkt gibt es kein allgemeingültiges Maß.
 
Farbe ist identitätsstiftend. Sie sagt etwas darüber aus, wie wir sind oder sein wollen. Gerade in der Pubertät ist es deswegen besonders wichtig, sich als Kind farblich von den Eltern abzugrenzen.
 
Ich plaudere mal wieder aus dem Nähkästchen: Seit ich zehn war, wohnte ich in einem kleinen Zimmer außerhalb der Wohnung meiner Eltern, eine Treppe höher. Das Zimmer hatte eine Dachschräge mit einem relativ kleinen Fenster darin. (Seitenbemerkung: Ich habe das Zimmer geliebt, dort hatte ich nämlich Ruhe vor meinen Geschwistern.)
 
Mit 14 war ich plötzlich der Meinung, dass ich die Dachschräge dringend ultramarinblau streichen wollte. Aber so kräftig wie es geht, bitte. Ich zeigte meinen Eltern den Farbton auf dem Farbfächer, und sie guckten mehr als sparsam. Ließen mich aber machen. 
 
Ich war zwei Jahre lang sehr glücklich mit meiner Entscheidung und habe dann mit 16 bei der großen Renovierung aller Kinderzimmer eine neue Wahl getroffen.
 
Wandfarbe ist verhältnismäßig leicht zu ändern, wenn der Farbton nicht mehr passt, deswegen lass Dein Kind sich austoben. Handle es vielleicht vom ganzen Zimmer auf eine Wandfläche runter, aber lass es machen.
 
In vielen Kinderzimmern steht ein Hochbett. Lass auch an diesem Punkt Dein Kind entscheiden, ob es weiterhin ein Hochbett haben möchte, oder ob das Bett auf kürzeren Beinen stehen soll. Die meisten Hochbetten lassen sich mit etwas Geschick zum bodennahen Bett umbauen, so dass Du kein neues Möbelstück anschaffen musst. 
 
Vom Bett ist es gedanklich nicht weit bis zu den Sitzgelegenheiten, denn auch ein Bett kann tagsüber als Sofa genutzt werden. Gerade bei einem kleinen Zimmer bietet es sich an, über Doppelnutzungen von Möbelstücken nachzudenken. 
 
Zum Schluss möchte ich Dich dazu ermutigen, die Entscheidungen Deines Kindes am besten nicht zu bewerten, auch wenn sie Dir komisch erscheinen. Hab Vertrauen darein, dass Dein Kind weiß, wie es gerade wohnen möchte.
 
Wenn Du mehr zu diesem Thema wissen möchtest, schreib es mir in die Kommentare oder auf die Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen!

Sonntag, 6. März 2016

Ein Holzfußboden im Badezimmer


"Wie, das geht?"

Das ist die erste Frage, die meine Kunden stellen, wenn die Sprache auf einen Massivholz-Fußboden im Badezimmer kommt.

Ja, das geht. Sogar sehr gut, wenn Du ein paar technische Dinge beachtest.

Ich empfehle immer, Massivholzfußböden kleberlos zu velegen. Wenn Du auf Kleber verzichtest, kannst Du die Holzoberfläche problemlos ölen.

Bei verklebten Lösungen muss der Parkettleger genau schauen, ob sich Kleber und Öl vertragen. Ist der Kleber an der Holzunterseite sehr starr und Du gibst dem Holz an der Oberseite die Möglichkeit zu arbeiten, eben weil Du ölst, entsteht Zug. Dieser Zug kann die Holzteile absprengen.

Deshalb: lieber kleberlos arbeiten.



Also: technischer Aspekt Nr. 1: kleberlos. Es gibt Syteme, bei denen das funktioniert. Schau beispielsweise bei Finndor.

Technischer Aspekt Nr. 2: Verwende Laubhölzer, die nicht viel Quell- und Schwindverhalten haben. Also Robinie, Eiche oder thermisch behandeltes Holz.

Technischer Aspekt Nr. 3: Behandle die Oberfläche mit Hartöl. Verzichte auf Lack. Bei einer lackierten Fläche kann durch eine kleine Schadstelle im Lack (z.B. ein Kratzer) Wasser unter den Lack gelangen. Leider kommt das Wasser da aber nicht mehr weg. Dadurch entstehen mit der Zeit unschöne Lackschäden. Bei einer geölten Oberflche entsteht das Problem nicht, denn das Öl ist nicht schichtbildend. Wasser, das in einen geölten Boden eindringt, kann ungehindert wegtrocknen und hinterlässt keine Beschädigungen.

Neben den Fragen nach der geht-das-überhaupt-Technik kommt dann eine weitere Sorte Fragen auf.

Es sind Fragen nach Wasser. Was ist, wenn Wasser aufs Holz kommt? Quillt der Boden dann auf? Wie schnell muss das Wasser wieder weggewischt werden? Was ist mit der Kombination Holzboden, Badezimmer und kleine Kinder?

Ich plaudere aus dem Nähkästchen: Die Fotos in diesem Post stammen aus meinem eigenen Badezimmer. Dort liegt seit 2012 ein verklammerter geölter Robinien-Boden. Ich habe kleine Kinder.

Und ich würde mich immer wieder für diesen Boden entscheiden. Weil:

Er ist fußwarm. Und deutlich weniger rutschig als eine Fliese.

Wenn Wasserlachen drauf liegen (und das passiert bei jedem Baden), wische ich sie nach dem Baden weg und sehe nichts davon. Der Boden ist nicht aufgequollen.




Das Badezimmer ist deutlich weniger hallig, weil weniger Fliesen vorhanden sind. Ich persönlich finde geflieste Badezimmer gerade wegen dieser Halligkeit unangenehm, aber das ist meine Meinung... Und noch ein tieferer Blick ins Nähkästchen.


Die dritte Sorte Fragen meiner Kunden ist eher gestalterischer Natur: Welche Farben kombiniert man dazu? Konkreter: Welche Farbe soll der Duschvorleger haben?

Wenn Du Dir die Farbmusterkärtchen auf dem letzten Foto ansiehst, wirst Du wahrscheinlich feststellen, dass einem Holzboden jeder Buntton steht.

Die Antwort lautet: Duschvorleger und Handtücher können jede Farbe haben, die der Markt hergibt. Du schränkst Dich mit einem Massivholzboden gestalterisch nicht ein.

Solltest Du weitere Fragen zu diesem Thema haben, dann stell sie mir doch in den Kommentaren oder auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen.