Sonntag, 7. Februar 2016

Farbiges Grau

Vielleicht wunderst Du Dich über den Titel. Farbiges Grau? Widerspricht sich das nicht? Grau ist doch unbunt...

Die Antwort darauf ist ein klares jein. Grau ist unbunt, ja, und kann aber auch farbig sein.
Es gibt nämlich zwei Arten von grau.

Die eine Variante wird aus schwarz und weiß gemischt. Durch eine Verschiebung in der Verteilung von schwarz und weiß ergeben sich unterschiedliche Farbabstufungen. 

Die andere Variante wird aus Bunttönen gemischt, genau genommen aus rot, blau und gelb. 
Ich habe in meinen Artikeln schon öfter vom Farbkreis gesprochen und auch davon, dass Farbtöne aus möglichst vielen Bunttönen gemischt werden sollten. 

Hintergrund ist der, dass unser Körper auf alle Farbtöne des Regenbogens angewiesen ist, um ausgeglichen zu bleiben. Das Sonnenlicht bildet das volle Farbspektrum ab, wenn man es durch ein Prisma betrachtet. Da wir uns aber zu 70% unserer Zeit in geschlossenen Räumen aufhalten, bekommen wir zu wenig UV-Licht ab. Deswegen ist es notwendig, möglichst alle Farbtöne des Regenbogens in irgend einer Form in unsere Räume zu bringen.

Am unauffälligsten gelingt das, indem Du die Wände in einem farbigen grau streichst. 

Früher wurden in den Malerwerkstätten alle Farbreste in einem großen Bottich gesammelt. Ich bezeichne das so entstandene Farbgemisch gern als Pigment-Ursuppe, da sich über die Zeit alle Farbtöne darin zusammengefunden haben. Optisch hat sich so ein sogenanntes Mischungsgrau ergeben. In Reinform war das ein sehr unansehnlicher Farbton. Bei jedem neuen Malerauftrag wurde dann in den ausgewählten Farbton ein Schwapp von der Pigment-Ursuppe gegeben. Auf diese Weise entstanden Farbtöne, die alle Farben des Farbkreises in kleiner Menge in sich hatten. Leider waren diese Farbtöne nicht exakt reproduzierbar, da sich die Zusammensetzung der Pigment-Ursuppe stetig änderte.

Heute sind Farbtöne weitgehend reproduzierbar, weil sie mit Hilfe von computergesteuerten Mischmaschinen hergestellt werden. Gewöhnlicherweise werden sie aus weiß, schwarz und einem Buntton gemischt. Ihnen fehlt deswegen der für den Körper so wohltuende Schwapp Pigment-Ursuppe. 
Wenn Du einen Eimer Farbe, den Du im Baumarkt oder beim Farbenhändler gekauft hast, mit einer eigenen Pigment-Ursuppe aufwerten möchtest, dann mach folgendes: Such genau den Farbton, der Deinem eigentlichen Farbton im Farbkreis genau gegenüber liegt (also den komplementären) und misch davon eine kleine Menge in Deinen großen Farbeimer. Miss die kleine Menge aber bitte genau ab und schreibe das Mischungsverhältnis auf, Stichwort Reproduzierbarkeit... Aus komplementären Farbtönen entsteht nämlich ein Mischungsgrau, also Pigment-Ursuppe.

Zurück zum farbigen grau: hellt man die Pigment-Ursuppe mit weiß auf, entsteht ein Grauton. Es besteht umgekehrt auch die Möglichkeit, weiß mit einem kleinen Teil des Mischungsgraus zu brechen, womit ich wieder bei der Verschiebung der Farbanteile bin. 

Und dieses gerade eben mit Pigment-Ursuppe gebrochene Weiß ist Balsam für den Körper. Versprochen. 

Übrigens hat der Radiosender MDR  ein Feature zum Thema "Grau. Siegeszug einer Nichtfarbe" herausgebracht. Den Link zur Audiodatei findest Du hier.

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