Donnerstag, 30. Oktober 2014

Wie unser Fachwerkhaus eine neue Fassade bekam

In diesem Sommer hat unser Fachwerkhaus eine neue verputzte Fassade bekommen. Bis zur Fertigstellung waren viele Arbeitsschritte nötig, und in diesem Post fasse ich das Baugeschehen in Bildern zusammen.

Unser Fachwerkhaus ist in zwei Bauabschnitten gebaut worden. Der jüngere, datierte Teil ist von 1775, und ich bin mir sicher, dass das Haus einiges zu erzählen hätte, wenn es denn könnte. Manchmal liebe ich solche Gedankenspiele.

Anfang der 1990er Jahre haben meine Eltern große Teile des Hauses saniert und die Fassade nur mit einer Kalkfarbe gestrichen, statt sie mit Kalk zu verputzen. Die letzten beiden Winter haben der Farbe sehr zugesetzt, und deswegen war es an der Zeit, etwas an der Fassade zu tun.

Im ersten Schritt wurde die Kalkfarbe von der Fassade entfernt. Dabei sind teilweise größere Brocken Lehm mit abgefallen, und deswegen mussten einige Gefache gefüllt werden.

Um dem Lehm einen guten Halt zu bieten, wurde auf die Staken eine Schilfrohrmatte aufgeschraubt. Dann wurden die Gefache mit Lehm aufgefüllt. Wohlgemerkt mit selbstgemischtem Lehm. Ich bekam eines schönen Sommertags die Aufgabe, vom Ponyhof meiner Freundin einen Eimer Pferdeäpfel mitzubringen, um die Wetterfestigkeit des Lehms zu erhöhen.

Anschließend bekamen die neu gefüllten Felder ein hübsches Lochmuster, das als Haftbrücke für den Kalkputz dient.

Die linke Hausecke bescherte uns eine besondere Überraschung: Es stellte sich heraus, dass der untere schräglaufende Balken von Holzwürmern bewohnt war, die vor unserer Nase munter-lustig Holzmehl aus dem Balken rieseln ließen. Wir sahen uns also gezwungen, ein paar Balken austauschen zu lassen. So viel zum Thema "eben die Fassade renovieren". Der ausgemusterte Eckbalken ist momentan der liebste Spielplatz meiner Tochter. 

Bevor die Balken getauscht werden konnten, mussten die umliegenden Gefache geleert werden. Dabei sind wir auf die Reste einer Zeitung gestoßen. Ich kann nur vermuten, dass die Zeitung als Untergrund für die abschließende Tapete eingebaut wurde und so den Wanduntergrund gleichmäßig saugfähig machen sollte.

Mit ein bisschen in-den-Fetzen-lesen fanden wir heraus, dass es die Weihnachtsausgabe aus dem Jahr 1952 ist. Schon witzig, was zu dieser Zeit in der Zeitung stand. Kostprobe gefällig?


Leider habe ich kein Foto vom Balkentausch, aber es sah sehr beeindruckend aus, wie unserem Haus auf einmal die Ecke fehlte und stattdessen Stützen dafür sorgten, dass alles an seinem Platz blieb.

Eine Zeit lang war die Hausecke mit Planen abgedeckt, damit der Regen nicht ins Haus kam. Die Wände in unserem Haus sind aufgedoppelt. Wir haben die äußere Wand entfernt und die innere Wand stehen gelassen. So hielt sich dann zum Glück die Schmutzbelastung in den Wohnungen in Grenzen. Weder meine Nachbarin von oben noch ich mussten irgendetwas in unseren Wohnungen renovieren.

Das neu gesetzte Balkengerüst wurde mit Leichtlehmsteinen ausgemauert und dann wie die restliche Fassade mit Kalk verputzt.

Zum Schluss wurden dann die Balken mit schwarzer Farbe gestrichen, und endlich erstrahlt das alte Haus wieder in neuem Glanz. Zumindest auf der Nordseite. Zwei weitere Seiten stehen uns noch bevor. Wahrscheinlich im nächsten Sommer und hoffentlich ohne Holzwurm-Überraschung.

Montag, 20. Oktober 2014

Raumgestaltung: eine Metall-Farbe

... pro Raum.


Diese Gestaltungsregel klingt erstmal simpel, aber sie hat es in sich.

Wenn Du Dich wirklich nur auf eine Metallfarbe im Raum konzentrieren möchtest, solltest Du überlegt haben, was in Deinem Raum alles aus Metall sein kann.

Auf meiner Liste steht:
Türgriff, Fenstergriff, Wasserarmaturen in Küche oder Bad, Duschabtrennung, Gardinenstange, Spiegelrahmen, Bilderrahmen, Metallteile an Leuchten, Deko-Objekte, Griffe an Küchenschränken

Mögliche Metall-Farben oder auch Metalle an sich sind:
Gold, Messing, Silber, Aluminium, Kupfer, Rostiges, Gusseisen, Geschwärztes, Patina bei Kupfer

Meist ist es so, dass Bauteile nur schwer veränderbar sind und diese aber die Metallfarbe vorgeben. Sollte das bei Dir der Fall sein, hast Du mehrere Möglichkeiten:
  1. Du ergibst Dich und verwendest diese Metallfarbe weiter.
  2. Du veränderst das schwierig zu verändernde Bauteil.
  3. Du verzichtest bei Deiner Raumgestaltung auf Metallteile.

Unsere Ferienwohnung auf Amrum hatte eine sehr Metall-lastige Gestaltung und hat mich auf die Idee zu diesem Post gebracht. Wir haben dort zwei wundervolle Wochen verbracht. Ich könnte an dieser Stelle eine Ode auf die Insel Amrum singen (so sehr gefällt sie mir), aber das hebe ich mir für einen nächsten Post auf.

Abschließend möchte ich von Dir wissen, welche Metallfarbe Du bevorzugst und ob es bei der Raumgestaltung deswegen Schwierigkeiten gab? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!


Dienstag, 14. Oktober 2014

Zuhören - Beitrag zur Blogparade

Veronika Krytzner hat zu einer Blogparade zum Thema zuhören eingeladen.

Das Thema hat mich sofort angesprochen, denn ich muss in den Gesprächen mit meinen Kunden sehr gut zuhören.

Es ist immer schwierig, über Farbtöne oder Raumgestaltung zu sprechen, ohne ein Bild oder Foto als gemeinsame Gesprächsbasis zu haben. Machen wir uns nichts vor, wir sind Augenmenschen. Wir nehmen 85% aller Informationen über unsere Augen auf.

Was passiert aber, wenn Du mit einer Gestaltungsidee in meinen Laden kommst und mir davon erzählst?
Kannst Du alle Details so benennen, dass das Bild in Deinem Kopf allein über Deine Worte in meiner Vorstellung ankommt und auch noch identisch zu Deinem Bild ist? Wahrscheinlich nicht, und das ist aber auch gar nicht schlimm.

Wir haben (pauschal gesprochen) unterschiedliche Erfahrungen, Vorstellungen, Auffassungen von den Dingen, und deswegen setzen wir Gesprochenes in unserer Phantasie zu unterschiedlichen Bildern zusammen, auch wenn wir das gleiche hören.

Zurück zu Deinem Besuch in meinem Laden und der Gestaltungsidee. Vielleicht kommst Du mit Deinem Partner her, und schon müssen drei Leute das gleiche Bild sehen. Um die Idee aus Deinem Kopf auf den Tisch zu bringen, nutze ich gern Materialcollagen. Wir blättern gemeinsam in Farbfächern und schauen uns Musterstücke von unterschiedlichen Bodenbelägen an, und langsam entsteht im Gespräch aus Deiner Idee ein Gestaltungskonzept für Deinen Raum. Wir können so lange Dinge verändern, bis Du und Dein Partner zufrieden seid.


Wir machen das Bild aus Deiner Vorstellung sichtbar, konkretisieren es, machen es be-greiflich.

Mich haben zwei Dinge zum Thema Zuhören sehr beeindruckt. Das eine ist ein indianisches Sprichwort, das lautet:

Hört zu, oder Eure Stimme wird Euch taub machen.

Das andere ist eine kurze Zeitungsnotiz, die ich vor einigen Jahren gelesen habe. Es wurde berichtet, dass ein Mensch mindestens drei Minuten benötigt, um sein Anliegen vorzutragen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, jedem Kunden, der in meinen Laden kommt, zu Anfang unseres Gesprächs diese drei Minuten zu geben. Möglichst unterbrechungsfrei.

In dieser Zeit höre ich zu. Lausche Zwischentönen. Stolpere manchmal über "eigentlichs", die häufig darauf hindeuten, dass der Kunde etwas ganz anderes benötigt, als das, von dem er bislang ausgeht. Stelle im Verlauf des Gesprächs so lange Rückfragen, bis die "eigentlichs" das hervorgebracht haben, was der Kern der Sache ist. Und das ist sehr spannend zu beobachten.

Am Ende des Tages verlässt Du zufrieden meinen Laden. Das ist mein Ziel.