Freitag, 23. Dezember 2016

Rezension: Vintage Guide


Wer so kurz vor Weihnachten noch auf der Suche nach einem Geschenk für Design- und Interiorliebhaber ist, sollte einen Blick in den Vintage Guide von Judith Miller (DVA 49,99 €) werfen. 
 
 
 
Dieser großformatige Bildband bietet einen Überblick über Möbel, Kunst und Design aus dem 20. Jahrhundert. 
 
In drei großen Kapiteln - Art Déco bis Bauhaus, Nachkriegsmoderne und Zeitgenössische Moderne - findest Du einerseits einen Überblick darüber, was in dieser Zeit die Designer bewegt und geprägt hat. 
 
Andererseits werden für den Zeitraum wichtige Designer und ihre Arbeiten vorgestellt. Zum Dritten werden Designobjekte thematisch zusammengefasst und in Preiskategorien eingeordnet. 
 
Nahezu alle der vorgestellten Stücke sind nicht mehr als Neuware im Handel zu finden sondern als moderne Antiquitäten bei spezialisierten Händlern oder auf Trödelmärkten aufzuspüren. 
 
Dieser Umstand macht das Buch für mich zu einer Schatzkarte, die mir zeigt, was es im letzten Jahrhundert für tolle Möbel und Dekoobjekte gegeben hat. Leider zeigt mir die Schatzkarte nicht den Weg zum Händler, aber dafür gibt es die eine oder andere Suchmaschine im Internet. Schatzsuche 2.0 oder so ähnlich... Selberfinden ist bei dieser Art Möbeln für mich das Spannende.
 
Das nächste große Plus am Vintage Guide sind die vielen Interior-Fotos. Mal wird eine Original-Einrichtung aus einer bestimmten Zeit gezeigt und mal eine neue Interpretation. Mal eine Ansammlung unterschiedlicher Stücke aus einem ähnlichen Zeitraum, mal ein einzelnes Stück in völlig anderem Zusammenhang. Die Quintessenz der vielen Fotos ist für mich: alles kann, nichts muss. Finde Deinen eigenen Stil und umgib Dich mit dem, was Dir gefällt.
 
Wenn Du Spaß an älteren Möbelentwürfen hast oder auf der Suche nach (für heutige Sehgewohnheiten) außergewöhnlichen Stücken bist, ist das Buch passend für Dich. Es führt Dich auf Designspuren, die Du sonst vielleicht nicht verfolgt hättest und lädt zur Gedankenspielerei und Kombination ein. 
 
Mein Fazit ist: toller Bildband, unglaublich hohe Informationsdichte und, wie beteits oben geschrieben, Schatzkarte.
 
Das Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

So bringst Du Deine Wohnwünsche in Deinem Budget unter

So knapp vor Weihnachten äußere ich einen Wunsch: Ich wünsche mir, dass Deine Wohnwünsche nicht mehr von Deinem Budget bestimmt werden.

Wenn Du ein Haus kaufen und auf Deine Bedürfnisse und die Deines Partners anpassen möchtest, fallen bei der Finanzplanung etliche Positionen an. Grob strukturiert sind es:

  • Kaufpreis
  • Kaufnebenkosten
  • Sanierungskosten

Die Sanierungskosten lassen sich weiter aufschlüsseln, abhängig davon, in welchem Zustand das Haus ist und in welchen Zustand Du es versetzen möchtest.

  • Energetische Sanierung: Dach, Fassade, Heizung
  • Bauliche Veränderungen: Dachaufbauten, Anbauten, Grundrissveränderungen
  • Haustechnik: Strom, Badezimmer
  • Gestaltung: Wand-, Boden- und Deckengestaltung
  • Beleuchtung und Möblierung.

In genau dieser Reihenfolge wird gebaut und meistens auch geplant. Du arbeitest Dich von Punkt zu Punkt auf der Liste voran und irgendwann wird das Budget knapp. Bei der Gestaltung Deines Hauses reicht es dann überspitzt gesprochen für weißgestrichene Vliestapete und Laminat obwohl Du eigentlich von Lehmputz und Eichendielen geträumt hast.

Stellt sich die Frage, ob es auch anders geht. Ich habe anfangs den Wunsch geäußert, dass das Budget nicht mehr die Wohnwünsche diktieren soll.



Du entgehst diesem Dilemma weitgehend, wenn Du den Planungsprozess umkehrst und Dich vor Beginn der Baumaßnahmen von Innen nach Außen mit deinem Haus beschäftigst.

Stell Dir und Deinem Partner die Frage nach Wohnwünschen. Ihr habt ein Haus gekauft, um es für Euch passend zu gestalten. Was aber passend für Euch ist, müsst Ihr zu Beginn der Planungen herausfinden.

Ihr könnt Euch Euren Wünschen durch das Führen eines Wohntagebuchs und eine Positivliste annähern. Wie das funktioniert, liest Du dort. In diesem Artikel liest Du, warum es so wichtig ist, die Wohnumgebung passgenau für Euch zu gestalten.

Legt auf Pinterest oder ganz einfach auf etlichen Zetteln Ideensammlungen an, wie Euer neues Haus aussehen könnte und ganz wichtig - holt Euch konkrete Preise ein.

  • Was genau kostet dieser Bodenbelag inklusive Verlegung pro qm? 
  • Wie teuer ist diese Küche samt Einbau?
  • Wer liefert diese Wandgestaltung zu welchen Konditionen und wieviel nimmt der Verarbeiter pro qm? 
  • Ist es für Selbermacher geeignet?

Gebt Euch für diese Planungsphase etwas Zeit und stellt Euch jeder für sich die Frage:  

Wie sollte unser Haus im Inneren gestaltet sein, damit ich mich dort mit Sicherheit wohlfühle und entspannen werde?

Stell Dir die Frage ruhig laut und lass den Antwortroboter in Deinem Gehirn Antworten finden. Sobald eine Antwort kommt, schreib sie auf. Diktier sie in Dein Telefon. Kritzel sie auf eine Serviette. Und sammle alles zusammen. Sortiere sie Dir nach Wichtigkeit.

Setzt Euch nach einer Weile zusammen und besprecht miteinander die Antworten, die Eure Antwortroboter gefunden haben. Ihr werdet erstaunt sein, was Euch alles wichtig ist.

Am Ende des Planungsprozesses ist es an der Zeit, die einzelnen Puzzlestücke zusammenzubringen und in sie Finanzplanung einzusteigen. Wenn Ihr nämlich wisst, was ein absolutes Muss in Eurem neuen Haus ist, könnt Ihr bei weniger wichtigeren Dingen auch nach günstigeren Alternativen schauen und so Euer Budget umverteilen.

Ich wünsche Euch, dass Ihr Eure Wohnwünsche in Euer Budget einplanen könnt!

Solltest Du weitere Fragen zu diesem Thema haben, schreib sie mir in die Kommentare oder auf die Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen.

Montag, 21. November 2016

Liebster Award und liebste Leseliste


Ich habe von Monika Maurer den Liebster Award bekommen, eine Art Blogger-Kettenbrief. Es geht darum, elf Fragen zu beantworten, die in meinem Fall Monika gestellt hat, um dann wiederum anderen Bloggern elf Fragen zu stellen.

Auf diese Weise erfährst Du jetzt Dinge von mir, die ich hier sehr wahrscheinlich nicht zum Thema gemacht hätte. Bitteschön!



Was ist Deine Lieblingsfarbe und welche Bedeutung hat sie für Dich? Was verbindest Du mit ihr?
Seit ich gelernt habe, mit allen Farben gut Freund zu sein, habe ich keine Lieblingsfarbe im eigentlichen Sinne mehr. Ich bevorzuge Farben für meine Kleidung und würde andere nie tragen. Ich bevorzuge Farben beim Wohnen. Mich interessieren Farbzusammenstellungen mehr als einzelne Farbtöne. Und wenn ich an den großen Sandstrand von Amrum denke, bei strahlendem Sonnenschein, und mir dann alle dort vorkommenden Farbtöne vorstelle, dann habe ich meine liebste Farbzusammenstellung. Ich verbinde damit die Freiheit, neue Gedanken zu denken, abseits vom Alltagstrubel.

Welche drei Dinge nimmst Du mit auf eine Insel?

Einen Stift, ein dickes Notizbuch und eine Flasche Weißwein.

Hast Du Rituale in Deinem Leben? Magst Du verraten welche das sind?

Ein grüner Smoothie zum Frühstück und je eine kurze Kaffeepause vormittags und nachmittags zusammen mit allen, die gerade am Hof greifbar sind.

Von Dir erscheint in der Zeitung eine Story, wie lautet der Titel?

Farbiges grau ist das neue weiß. Um die Gesundheit der deutschen Bevölkerung zu verbessern, wurde weiße Wandfarbe abgeschafft.

Was machst Du, wenn Du schlecht gelaunt bist?

Mich in eine handwerkliche Tätigkeit vertiefen. Dabei muss ich mich so auf die Sache konzentrieren, dass ich keine Gedankenkapazität für schlechte Laune mehr habe.

Was verstehst Du unter Spiritualität?

Puh. Ich nähere mich dieser Frage gerade erst an. Frag mich in einem Jahr noch einmal.

Welchen Film würdest Du Dir immer wieder anschauen und machst es vielleicht sogar?

Is' was, Doc? und Liebe braucht keine Ferien

Gibt es eine negative Situation, Erfahrung, die sich im Nachhinein für Dich als positiv heraus gestellt hat?

Ja. Ich habe vor Jahren eine Geschäftsentscheidung getroffen, die mich nicht glücklich gemacht hat und die ich auch nicht angemessen ausfüllen konnte. Nachdem sich die Situation gelöst hatte, habe ich daraus einen sehr guten Handelspartner gewonnen.

Was oder wer macht Dich glücklich?

Ein langer Strandspaziergang auf Amrum mit meinem Mann. Wenn die Insel grad nicht zu haben ist, ein langer Spaziergang mit meinem Mann - halt anderswo.

Wann und mit oder bei was warst Du das letzte Mal so richtig albern?

Mit meinen Kindern beim Erschrecken-Spielen.

Hast Du ein Lebensmotto?

Wenn Du weißt, was Du tust, kannst Du tun, was Du willst. Feldenkrais

Der nächste Schritt beim Liebster-Award wäre jetzt, weitere Blogger zu benennen und elf Fragen an sie zu stellen. Da aber alle, die mir in den Sinn gekommen sind, bereits mitgemacht oder abgesagt haben, lasse ich den Kettenbrief hier enden.

Stattdessen liste ich hier einige Frauen auf, die ich im letzten Jahr persönlich oder virtuell kennenlernen durfte und die in meinen Augen sehr spannende Unternehmen führen oder Blogs schreiben. Lies Dich durch die verlinkten Artikel, wenn Du magst, und freu Dich auf neue Begegnungen. Genau das ist nämlich das Anliegen des Liebster-Awards, neue Blogs entdecken fernab der Großen des bevorzugten Themenbereichs.

Friederike Kunath von SchreibStimme. Sie hat mich darin bestätigt, dass wissenschaftliches Schreiben nicht verklausuliert sondern verständlich sein sollte.

Steffi Kroll von worklifefengshui
Ich habe sie im Rahmen eines Onlinekurses kennengelernt und wir haben ein gemeinsames Projekt in Planung. Mehr dazu liest Du hier, wenn die Zeit reif ist.

Susanne Wied, diejenige Frau, die den HP.M ColorTest weiterentwickelt und vertreibt. Dieser Test ist ein mächtiges Arbeitswerkzeug, dessen Struktur und Vielfalt mich seit 2012 zum Staunen bringt. Mehr über ihr Anliegen kannst Du dort lesen.

Bettina Brakelmann von living.ruhr Sie bloggt über Wohnen im Ruhrgebiet. Ich finde, es ist eine grandiose Idee, denn das Ruhrgebiet hat eine Menge toller Gebäude zu bieten, sowohl umgenutzte Industriebauten als auch Villen und alles dazwischen sowieso.

Arusha Susanne Winckler mit ihrem Projekt Soulfireart.Sie kreiert Farbzusammenstellungen (da sind wir wieder...), die den Wesensmerkmalen einer einzelnen Person entsprechen. Außerdem hat sie mittlerweile ein Kartenset mit verschiedenen Soul Colour Keys zusammengestellt, das sich wunderbar als Inspirationswerkzeug verwenden lässt.

Dörte Kaufmann, Designerin aus Wien. Sie verkauft in ihrem Laden Gestricktes und Geschneidertes, das entweder direkt in Wien oder in sozialen Projekten anderswo gefertigt wird.

Wenn Du weitere Fragen im Stil des Liebster Awards an mich hast, stell sie mir gern in den Kommentaren oder auf der Facebook-Seite.

Montag, 31. Oktober 2016

Produktvorstellung: Kalkfarbe

Vor einiger Zeit habe ich die Frage gestellt bekommen, welche Biofarben es gibt. Dieser Artikel ist der zweite Teil der Vorstellungsreihe. Teil 1 über Lehmfarbe findest Du hier.

Wahrscheinlich hast Du schon den einen oder anderen Bericht über Kalkfarbe in diversen Wohnzeitschriften gesehen. Ich finde es großartig, dass dieser Farbklassiker ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt wird, denn er kann so viel.

Kalk ist in der Lage, Feuchtigkeit schnell aus der Raumluft aufzunehmen und ebenso schnell wieder abzugeben. Landläufig wird diese Eigenschaft mit "die Farbe atmet" umschrieben, der Fachbegriff dazu heißt Sorption. Sorptionsfähige Oberflächen haben einen sehr guten Einfluss aufs Raumklima.

Kalk ist außerdem alkalisch, hat also ein chemisches Millieu, das Schimmelsporen gar nicht mögen. Mit Kalkfarbe gestrichene Wände sind eine gute Vorbeugemaßnahme gegen Wohnschimmel. 



Das schöne an Biofarben ist, dass die Produkte in der Regel eine Volldeklaration haben. Das heißt, dass auf den Verpackungen die gesamte Zutatenliste abgedruckt ist.

Im Falle der Kalkfarbe sind es:
Sumpfkalk, Marmormehl, Kaolin, Wasser, Titandioxid, Methylcellulose, pflanzliches Polysaccharid

Sumpfkalk ist mit Wasser vermischtes Kalkpulver, das über eine Weile nass stehen gelassen wurde. Je länger sie Standzeit von Sumpfkalk ist, desto höher ist die Alkalität. Kalk ist fast-beinahe weiß.

Marmor ist ein Gestein. Das Marmor-Mehl macht die Farbe gleichmäßig feinkörnig und sorgt dafür, dass sie mit einer etwas dickeren Schichtstärke aufgetragen werden kann.

Kaolin, auch Porzellanerde genannt,  ist ein natürliches Weißpigment und wird außerdem als Füllstoff verwendet. Demnach hat es in der Kalkfarbe zwei Funktionen: es macht die Farbe weiß und ebenfalls gleichmäßig feinkörnig wie das Marmormehl.

Wasser ist das Lösungsmittel in der Farbe, das alle Bestandteile miteinander verbindet.

Titandioxid ist ebenfalls ein Weißpigment, das aus einem Mineral, das gebrannt wird, hergestellt wird.

Pflanzliches Polysaccharid (Mehrfachzucker) und Methylcellulose (Tapetenkleister) sind die Bindemittel in der Farbe, also diejenigen Stoffe, die den Anstrich an der Wand halten. 

Wenn Du magst, kannst Du die Kalkfarbe in über 150 Farbabstufungen färben, gerade so, wie es Dir gefällt und zu Deiner Einrichtung passt. Wichtig ist, dass Du kalkechte Pigmente verwendest. Kalk hat nämlich die vertrackte Eigenschaft, Pigmenten die Färbekraft zu entziehen oder Farbverschiebungen zu erzeugen. Jedes kalkechte Pigment aus der Casa-Natura-Produktpalette ist mit einem K* gekennzeichnet.

Die Verarbeitung der Farbe ist dann etwas anders als bei einer herkömmlichen Farbe, denn Du streichst mit einem dicken Pinsel und nicht mit einer Rolle. Warum? Die hinzugefügten Farbpigmente sind feiner als die Partikel von Sumpfkalk, Kaolin und Marmormehl. Wenn Du versuchst, das Gemisch mit der Rolle an die Wand zu bringen, rutschen die feinen Farbpigmente seitlich unter der Rolle hervor und Du malst Streifen auf die Wand. Diese Streifenbildung passiert leider völlig unkontrollierbar und ist deswegen noch nichtmal als gestalterisches Mittel einzusetzen.

Ich schätze die Arbeit mit dem großen Pinsel sehr, da er sich nicht mit Farbe vollsaugt und schwer wird. Je nach dem welche Rolle Du verwendest, passiert das sehr schnell und Anstreichen wird zum Kraftakt.
Solltest Du am Abend noch Farbe im Eimer haben, lagere diesen Rest im offenen Eimer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Farbe so länger hält als im verdeckelten Eimer. 

Eine der wiederkehrenden Fragen in der Kundenberatung ist die, was denn getan werden muss, wenn die Wand renoviert werden soll.

Es besteht die Möglichkeit, die mit Kalkfarbe gestrichenen Flächen wieder mit Kalkfarbe zu überstreichen. Meist reicht ein Anstrich. Wenn Du ein anderes Material verwenden möchtest, dann streich die Wände vorab mit Tiefgrund. Tiefgrund versprödet die Kalkfarbe und bereitet die Wand für neue, andere Anstriche vor.

Eine weitere wiederkehrende Frage ist, wie lang die Renovierungsintervalle sind. Da sich mit Kalkfarbe gestrichene Wandflächen nicht statisch aufladen, wenn die Raumluft daran entlang streicht, sammelt sich kein Staub auf der Wand. Die typischen dunklen Ränder um Bilderrahmen entstehen nicht. Deswegen bleiben so gestaltete Flächen sehr lange schön - bis zu zehn Jahre. In der Regel renovieren meine Kunden, weil sie ihre Zimmer farblich verändern wollen und nicht, weil die Wandflächen vergraut sind.

Wenn Du weitere Fragen dazu hast, schreib sie gern in die Kommentare oder stell sie auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen und antworte Dir auf jeden Fall.

Dieser Artikel ist im Rahmen des BlogMomentum 2016 entstanden.





Dienstag, 18. Oktober 2016

Warum Deine Wohnumgebung für Dich passgenau sein muss


Mir wurde letzten Montag die Frage gestellt, was wäre, wenn mein Blog aus welchen Gründen auch immer plötzlich aus dem Internet verschwinden würde und nur noch vereinzelte Textfetzen übrig blieben. Welche Textfetzen wären das? 
Die Frage ging mir dann eine Woche lang im Kopf herum. Letzte Woche Freitag hat dann mein Kopf Antworten ausgespuckt.


Ich wiederhole nahezu in jedem meiner Artikel die Aussage, dass die Wohnumgebung passgenau für alle Bewohner gestaltet sein muss
Ich weise immer wieder darauf hin, dass vor Renovierungen Kommunikation sehr wichtig ist, um ein Ergebnis zu erzielen, dem alle Wohnungsbewohner zustimmen.
Aber warum?
Und wer ist mit Wohnungsbewohner genau gemeint?
Du und Dein Lebenspartner. Ich beziehe meine Aussagen auf die Paarkonstellation, wie auch immer sie aussehen mag. Es ist unglaublich wichtig, als Paar in einer Wohnung zu leben, die passgenau für beide gestaltet ist. (Da ist der Textfetzen wieder.)
Und wieder: warum?
Jeder von Euch hat Vorlieben und Abneigungen, und das ist gut so. Sie sind aus den Erfahrungen entstanden, die Ihr Euer Leben lang gesammelt habt und die Euch zu den Menschen gemacht haben, die Ihr heute seid. Sehr wahrscheinlich sind Eure Vorlieben und Abneigungen aber nicht deckungsgleich. Auch das ist erstmal gut so.
Wenn es dann aber an die Gestaltung Eurer gemeinsamen Wohnung geht, wird es Zeit, dass Ihr Euch unterhaltet - vor allem über Eure Abneigungen.
Wieder: warum?
Die Quantenphysik sagt, dass alles Schwingung ist. Ein Teil der Schwingung ist für uns Menschen hörbar, ein Teil der Schwingung sichtbar. Etliche andere Schwingungsbereiche sind fühlbar, weitere kannst Du riechen.
Gefallen und nichtgefallen hat auch etwas mit Schwingung zu tun. Gefällt Dir etwas, schwingst Du mit, anders gesprochen: Du gehst in Resonanz zu etwas. Gefällt Dir etwas nicht, folgst Du der Schwingung nicht und es entsteht Dissonanz. 
Etwas weiter oben habe ich darüber geschrieben, besonders über Abneigungen zu sprechen. Das hat folgenden Grund: angenommen, Du gestaltest etwas in Eurer gemeinsamen Wohnung neu und verwendest Details, die Deinem Partner nicht gefallen. Noch dazu wissen weder er noch Du, dass etwas Missfallen auslöst. Was passiert? Dein Partner schwingt nach der Umgestaltung nicht mit allen neuen Schwingungen mit und gerät in Dissonanz. Anders gesprochen: es fängt an zu knirschen, unterschwellig. Dieses Grundknirschen bleibt und wächst sich zu einer Unzufriedenheit aus. Noch anders gesprochen: Dein Partner findet sich in der neuen Gestaltung nicht wieder, kann es aber vielleicht nicht benennen, weil es ihm nicht bewusst ist. Das alles kann die Ursache von scheinbar grundlosem Streit sein. 
Und deswegen wiederhole ich es immer wieder: die Wohnumgebung muss passgenau für alle Bewohner sein. Um herauszufinden, was für Euch jeweils passgenau ist, müsst Ihr miteinander reden. 
Ich habe im Laufe der Zeit Methoden gefunden und weiterentwickelt, die das drüber-reden einfacher machen. Ein erster Schritt ist, ein Wohntagebuch zu führen und daraus eine Positivliste zu entwickeln. Näheres dazu findest Du hier. Weiterführend hast Du die Möglichkeit, eine Wohnberatung zu buchen.
Wahrscheinlich fragst Du Dich nun, in wiefern die Wohnumgebung passgenau für Kinder einer Familie sein muss?
Kinder werden nicht nur in eine Familie hineingeboren sondern auch in eine Wohnumgebung. Sie nehmen diese Umgebung als Blaupause her für alle weiteren Gestaltungseindrücke. Die Wohnung der Eltern wird als "normal" oder "richtig" eingeordnet - so funktioniert Wohnen eben. Erst im Laufe der Zeit bilden sich eigene Vorlieben heraus und sie wechseln bis ins junge Erwachsenenalter mehrfach. 
Für die Gestaltung der Wohnung heißt das: Eure Kinder bestimmen die Gestaltung ihrer eigenen Zimmer mit. Die Gestaltung Eures Schlafzimmers ist Sache von Dir und Deinem Partner und die Gestaltung der Gemeinschaftsflächen zu sehr großen Teilen auch. 
Mein Dank für den Anstoß zu diesem Artikel geht an Markus Cerenak und sein BlogMomentum. Ich habe die Zusammenhänge hinter der Forderung, Wohnräume passgenau für alle dort lebenden Bewohner zu gestalten, nie so genau erklärt und hoffe, ein wenig mehr Licht ins Dunkel gebracht zu haben.
Solltest Du weitere Fragen zu diesem Thema haben, schreib sie mir in die Kommentart oder auf die Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Wohntagebuch und Positivliste: Planungswerkzeuge für Deine nächste Renovierung

Vor einiger Zeit habe ich bei einer Kollegin im Netz (ich habe keine Ahnung mehr, wo...) den Hinweis darauf gefunden, vor einer Renovierungsplanung ein Wohntagebuch zu führen. Sie schrieb, dass die Mitschriften Klarheit bringen würden.
Ich fand die Idee spannend und fragte mich, wie man denn das Wohntagebuch einsetzen oder führen sollte. Der Gedanke war einige Zeit lang immer wieder da, als mir dann ein zweites Puzzlestück über den Weg fiel:
Ich erinnerte mich an den Tip meines Ausbilders Roland Aull, der davon sprach, eine interne Positivliste zu führen. Er bezog es damals auf die Geschäftstätigkeit und das entsprechende Marketing. Letztenendes ist die Positivliste aber ein Werkzeug, das sich auf nahezu jeden Lebensbereich anwenden lässt.
Du wirst Dich vielleicht gerade fragen, was eine Positivliste ist. Auf eine Positivliste schreibst Du Dinge, die Du haben möchtest, die Dir wichtig sind oder die Du verwirklichen möchtest. 
Und das ist das Trickreiche daran: Ich stelle die kühne These auf, dass nahezu jeder weiß, was er nicht möchte. Leider ist ein nicht-wollen aber auch keine Entscheidung für etwas. Nicht-wollen ist eine weg-von-Bewegung, also sich Abwenden, vielleicht Angst oder Mangel. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass weg-von-Entscheidungen keine gute Wahl sind. 
Die bessere Wahl sind hin-zu-Entscheidungen. Du entscheidest Dich für etwas, weil Du es willst, weil es Deinen Werten entspricht. 

Zurück zum Wohntagebuch und der Positivliste vor einer Renovierung:
Wenn Du eine Renovierung planst, hast Du wahrscheinlich den Wunsch, etwas zu erneuern oder sogar etwas zu verändern. 
Beobachte Dich eine Woche lang bei der Nutzung des Raumes, in dem bald die Renovierung ansteht. Schreibe immer wieder auf, was Dir gefällt und wo der Raum "klemmt". Schreibe Dir auf, wo Du Dich an den Raum anpassen musst. Das kann eine Schranktür sein, die nicht gut zugänglich ist oder eine tote Ecke oder ähnliches. Beobachte einfach und sei gespannt, was Dir auffällt.



Dein Partner oder Wohnungsgenosse oder wie auch immer Du diesen Mitmenschen nennen magst, sollte ebenfalls ein Wohntagebuch führen. Mir ist es sehr wichtig, dass Räume entstehen, die für alle Bewohner passen. Es wird so sein, dass jedem von Euch andere Dinge auffallen und Eure Wohntagebücher völlig unterschiedliche Notizen enthalten. Das ist gut so, denn Wahrnehmung ist höchst individuell.
Nach der Beobachtungswoche wertest Du Dein Wohntagebuch aus. Du wirst Deine Notizen wahrscheinlich in vier Kategorien einteilen können
  1. etwas nervt, klemmt, passt nicht genau: Du willst es nicht mehr
  2. etwas soll verändert werden, obwohl es passt: Erneuerungswunsch
  3. etwas gefällt Dir und soll so bleiben
  4. etwas muss so bleiben: bauliche Veränderung ist nur schwierig möglich
Schreibe dann Deine Positivliste. 
Besonders interessant für diese Liste sind die Notizen der Kategorie 1 und 2. Nimm Dir Punkt für Punkt vor. Denke neue Anordnungen, neue Strukturen, und zwar so, dass es genau zu Dir und Deinen Gewohnheiten passt. Ändere alle ich-will-nichts in neue so-soll-es-seins. 
Notizen der Kategorie 3 kannst Du auf die Positivliste übernehmen, ohne sie umzudenken - diese Details gefallen Dir. Betrachte sie trotzdem noch einmal genau, denn es kann sein, dass Du diese Punkte auch verändern und dadurch für Dich verbessern kannst.
Wenn Du alles neu denken möchtest, dann beschäftige Dich auch eingehend mit den Notizen der Kategorie 4. Das kann vor allem sinnvoll sein, wenn Du im eigenen Haus oder in einer Eigentumswohnung lebst. 
Im nächsten Schritt gleicht Ihr die Positivlisten miteinander ab und führt sie zu einer gemeinsamen Liste zusammen. Arbeitet so lange an der Liste, bis alle Beteiligten das, was darauf steht, komplett mittragen können. Bleibt im Gespräch, auch wenn es schwierig oder missverständlich wird. Fragt Euch immer wieder, ob Ihr Euch richtig verstanden habt.
Ich weise deshalb so eindringlich auf die Kommunikation hin, weil es unglaublich stresst, in einer Wohnung zu wohnen, die nicht passend für die eigenen Bedürfnisse ist. Ich vergleiche dieses Gefühl gern mit wandern in unpassenden Schuhen. Es geht, aber es ist unglaublich mühsam. Eure Wohnung ist aber der Ort Eurer Regeneration, und die soll dort zwingend gelingen - für alle.

Wenn Eure Positivliste fertig ist, kannst Du Dich an die Gestaltungsplanung und später an die Materialwahl heranmachen. Da Du genau definiert hast, welche Funktionalität Du haben möchtest, ergibt sich daraus eine engere Materialwahl und die Entscheidung für etwas wird leichter. Bleib auch während der Gestaltungsplanung mit Deinem Partner im Gespräch und freu Dich darauf, ihn ein Stückchen besser kennenzulernen.
Aufbauend auf diesen Analyseschritt Wohntagebuch schreiben und Positivliste erstellen erscheint in Kürze der Minikurs "Wohnwünsche sichtbar machen". Darin lernst Du eine Technik kennen, die es Dir ermöglicht, Deine Wohnwünsche und die Deines Partners zu gemeinsamen Wohnwünschen zu machen. Mit den dort erarbeiteten Ergebnissen fällt es Dir sehr leicht, Eure Wohnung neu zu gestalten. Möchtest Du benachrichtigt werden, wenn der Kurs verfügbar ist? Bitte schreib mir dazu eine kurze E-Mail an info (at) oekoraum.de und ich nehme Dich in die Interessentenliste auf.

Bis dahin freue ich mich, von Dir zu lesen - hier in den Kommentaren oder auf der Facebook-Seite.


Dienstag, 6. September 2016

Rezension: Handbuch Polstern


Ich schleiche seit Ewigkeiten um den Gedanken herum, gemeinsam mit meiner Kollegin Simone Stehle aus Celle ein Möbelstück zu polstern. Besser gesagt: ich möchte von ihr lernen, wie polstern funktioniert.
Deswegen habe ich immer mal wieder in Bücher zum Thema hineingelesen, hatte aber nie eine Idee, wie polstern denn nun funktionieren könnte.
Dieses Jahr ist bei DVA von Alex Law ein weiteres Buch über das Polstern erschienen mit dem Titel Handbuch Polstern, was ich unbedingt lesen musste.



Auf dem Buchrücken steht: "Schon mit einigen wenigen Grundtechniken können viele Polstermöbel erfolgreich aufgearbeitet werden." Ich war gespannt.
Der Aufbau des Buches hat mich sehr angesprochen. Alex Law, der Autor, ist in der Praxis und in der Lehre unterwegs, und das merkt man.
Das Buch fängt an mit der Vorstellung der Werkzeuge, die zum Polstern benötigt werden. Wenn das Werkzeug sehr spezifisch ist, steht im Text meist eine Werkzeug-Alternative, die der interessierte Laie für seine ersten Polsterversuche stattdessen verwenden kann.
Es folgt dann eine ausführiche Materialbeschreibung.
Nach der Werkzeug- und Materialübersicht werden alle Arbeitsschritte in der Reihenfolge erklärt, die es benötigt, ein altes Möbelstück auseinanderzubauen, um es dann neu aufzubauen. Zu jedem Arbeitsschritt werden alle wichtigen Arbeitstechniken erklärt und mit Zeichnungen veranschaulicht. Mir hat sehr gut gefallen, dass immer im Text steht, weshalb die Technik wie funktioniert und was es für Konsequenzen hat, einen Arbeitsschritt wegzulassen oder eine Abkürzung suchen zu wollen.
Am Ende des Buches gibt es dann einige Projekte mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad. Zu jedem Projekt ist der entsprechende Möbeltyp abgebildet und in Listenform die Arbeitsschritte aufgezählt. Diese Liste kann man dann in den ersten Teilen des Buches nachschlagen und Schritt für Schritt nacharbeiten.
Sollte Dich die Neugier aufs Polstern gepackt haben, ist dieses Buch eine sehr lohnenswerte Lektüre.
Wie ich am Anfang schrieb, war Handbuch Polstern nicht mein erstes Buch zum Thema, aber das mit Abstand anschaulichste. Ich hatte beim Lesen das Gefühl in der Werkstatt zu stehen, Alex Law neben mir und seine Stimme im Ohr. Mir wurde nahezu jede aufkommende Frage bereits ein Satz später beantwortet. Auch die auf dem Buchdeckel stehende Feststellung, dass es im Grunde nur wenige Techniken braucht, um viele Möbeltypen aufzuarbeiten, hat sich im beim Lesen des Buches bestätigt.
Ich erhöhe den sozialen Druck auf mich und erzähle jetzt, dass mein Schreibtischstuhl eine Überarbeitung benötigt. Der Bezugsstoff ist löchrig und das Polstermaterial verfilzt und bröselig. Bezugsstoff liegt schon hier, mir fehlt noch Schaumstoff für Sitzfläche und Rückenlehne. Sobald das Material da ist und ich ein Wochenende Zeit habe, nehme ich das Projekt in Angriff.
Ich halte Dich auf dem Laufenden, sowohl auf der Facebook-Seite als auch seit neuestem auf Instagram.
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.